Die vergessenen Haustiere von Fukushima

JAPAN – Das verheerende Erdbeben mit anschliessendem Tsunami und die darauf folgende Atomkatastrophe zwang im März dieses Jahres Tausende Menschen zur Flucht. Zurück blieben Hunderttausende Haustiere. Weil aus den vermeintlich wenigen Tagen Abwesenheit nun Wochen und Monate wurden, dürfte die Mehrheit der zurückgelassenen Tiere mittlerweile verendet sein. Damit auch der Rest keine Überlebenschance hat schickte die Regierung jetzt Killerkomandas in das Sperrgebiet.

Als die Bewohner angewiesen wurden, ihre Häuser zu verlassen, mussten sie auf Anordnung der Behörden ihre Haustiere zurücklassen. In der Annahme, es würde sich nur um einige wenige Tage bis zu ihrer Rückkehr handeln, versorgten sie ihre Tiere mit der dafür nötigen Menge an Futter und Wasser und banden sie im Haus an oder liessen sie im Käfig. Dass die Menschen rund um Fukushima für so lange Zeit nicht wieder in ihre Häuser zurückkehren können würden, damit rechnete zu dem Zeitpunkt niemand.

Chandra Sheppard von der japanischen Tierrettungsorganisation «Animal Refuge Kansai» geht davon aus, dass insgesamt über eine Million Tiere im Katastrophengebiet zurückgelassen werden mussten und mittlerweile wohl grösstenteils verhungert sind. Bilder aus der Sperrzone bestätigen die Befürchtungen – tote Hunde, Katzen und Pferde liegen auf der Strasse oder noch angekettet in den Innenhöfen der Häuser, bis auf die Rippen abgemagerte Hunde streunen durch die Ruinen.

Vor der Katastrophe lebten in der Region Fukushima etwa 18'000 Hunde und vermutlich ebenso viele Katzen. Dazu kommen Tausende von Nutztieren wie Kühe, Schweine, Pferde und Hühner. Aus Angst vor Seuchen schickte die Provinzregierung letzten Monat Killerkommandos aus, um die noch lebenden Hoftiere in der 20 Kilometer breiten Sperrzone zu töten. Dennoch hoffen die Mitarbeiter der Tierschutzorganisation immer noch, weiterhin lebende Haustiere in dieser Region zu finden. Während es anfangs noch relativ einfach war, sich Zutritt zur Sperrzone zu verschaffen, ist diese mittlerweile jedoch abgesichert und bei Betreten drohen Geld- und sogar Gefängnisstrafen.

Auch die Organisation «Japan Earthquake Animal Rescue and Support» ist immer noch aktiv. Ihre Teams rücken trotz Strahlengefahr in die Nähe des AKWs vor, um verlassene Tiere zu retten oder zumindest mit Nahrung zu versorgen. Besitzer von zurückgelassenen Haustieren schicken der Organisation Bilder ihrer Tiere mit der Bitte, sie zu suchen. Chandra Sheppard gibt an, sie hätten bisher 117 Hunde, 15 Katzen, ein Meerschweinchen und einen Vogel aus der Sperrzone retten können. Doch nur wenige der Tiere konnten ihren Besitzern zurück gegeben werden. Die meisten müssen in der Obhut der Organisation verbleiben. Denn die Evakuationszentren sind überfüllt, in den meisten sind zudem Haustiere nicht erlaubt. Einige halten ihr Tier im Auto, um es so wenigstens behalten zu können, doch nun, mit den steigenden Temperaturen, ist das auch keine Lösung mehr. Auch in den meisten Häusern, die von der Regierung zur Verfügung gestellt werden, sind keine Haustiere erlaubt. So müssen viele ihre Tiere unfreiwillig zur Adoption freigeben.

Nachdem Japans Regierung die verendenden Haustiere in der Sperrzone lange ignoriert hatte, deutete sich Anfang Mai ein leichtes Umdenken an. So durfte von jeder evakuierten Familie jeweils ein Mitglied für wenige Stunden in ihre Häuser zurückkehren, um einige Sachen zu holen. Ihre Tiere sollten sie laut Anordnung im Garten anbinden, damit diese später abgeholt und zu neuen Unterkünften transportiert werden konnten. Davor mussten sie allerdings noch Untersuchungen über sich ergehen lassen. Diese zeigte, dass keines der Tiere so stark verstrahlt war, dass eine Dekontamination nötig gewesen wäre. Dies gab Konishi Yutaka vom japanischen Umweltministerium bekannt, der hofft, dass die Regierung diesem Kurs nun treu bleiben wird.

Darauf hoffen auch die Tierschutzorganisationen. Denn wenn die Sperrzone wie angekündigt auf einen Radius von 30 Kilometer erweitert wird, droht weiteren Tausenden von Tieren dasselbe Schicksal wie den bereits verendeten.

Mitten im Katastrophen-Gebiet: Anstatt sich in Sicherheit zu bringen, bewacht ein Hund lieber seinen Freund – einen im Schlamm liegenden, erschöpften Vierbeiner.

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Kommentare: 6
  • #1

    Bernhard Friemel (Montag, 19 September 2011 13:27)

    Bitte rettet die armen Tiere.

  • #2

    b.savickas@freenet.de (Dienstag, 20 September 2011 15:23)

    Liebe Tierschützer,
    rettet doch bitte diese armen Fellnasen.

  • #3

    Lüttke Heike und Burkhardt (Mittwoch, 21 September 2011 21:36)

    Wieso haltet ihr nur die Kamera da drauf?? Wieso greift ihr nicht gleich da ein und helft?? Versteh euch nicht !Traurig!

  • #4

    Entlemax (Mittwoch, 21 September 2011 22:28)

    Darüber denke ich auch oft nach.
    Vor allem wenn ich Bilder oder Videos von Tötungen und Misshandlungen von Tieren sehe frage ich mich wie man da die Kamera draufhalten kann ohne einzugreifen.
    Andererseits muss es solche Bilder gegen, sonst könnten wir die Öffentlichkeit nicht darauf aufmerksam machen.
    Und wenn keiner etwas davon weiss wird sich auch nichts ändern.

  • #5

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Liebe Betty, Du Amalia und Max gaben uns die Kraft für unsere Tierrechtsarbeit.
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"Ich weigere mich, Tiere zu essen, weil ich mich nicht von den Leiden und vom Tod anderer Lebewesen ernähren kann. Ich weigere mich, dies zu tun, weil ich selbst so schmerzlich gelitten habe, dass ich den Schmerz anderer fühle, indem ich mich meiner eigenen Leiden erinnere."
(Edgar Kupfer-Koberwitz - von 1940-1945 Häftling im KZ Dachau)

Sie wurden von Menschen dazu missbraucht zu kämpfen. Nun ist es an der Zeit, dass Menschen für sie kämpfen.  SCHLUSS MIT DEM RASSENWAHNSINN !!!
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