Beharrlichkeit und Gerechtigkeit: Rede zum ersten veganen Oktoberfest in München am 22. September 2012

von christian vagedes // wir sind im moment noch meilenweit von der veganisierung münchens, unserer gesellschaft und der welt entfernt. doch das bedeutet nicht, dass die veganisierung nicht auch kommt. denn sie hat bereits begonnen. jeder verantwortungsbewusste mensch, der, um der tiere willen, keine produkte mehr verbraucht, die nicht vegan sind, markiert bereits diesen anfang und die anzahl solcher menschen wächst konstant. jeder mensch, der über seinen bisher aus leichenteilen bestückten tellerrand hinausblickt, kann erkennen, in welche gefahren uns die nichtvegane wirklichkeit hineinversetzt hat und dass es dazu nur einen ausweg geben kann: alles fleisch, allen fisch, eier, tiermilchprodukte aus einkaufskorb, küche und kühlschrank zu entfernen. so werden die teller zu wahren grundlagen des friedensschlusses mit den tieren, mit der umwelt und dem gesamten leben.

durch den anstieg der zahl an vegan lebenden menschen wächst das gesamte bewusstsein für die vegane idee. ein einzelner bewusster veganer entwickelt dabei mit einiger sicherheit mehr kulturell-geistige energie und dynamik als eintausend gedankenlose nichtveganer. an unseren infoständen im ganzen land und auch hier in münchen auf dem marienplatz spüren wir bereits verstärkt, dass die panzer brechen, dass das eis immer mehr bricht, jenes um die herzen der menschen gelagerte eis, das, sobald es einmal anfängt zu schmelzen, für die tiere den anfang ihrer befreiung aus dem dauerkampf bedeutet. deswegen möchten wir auch heute hier auf dem marienplatz in münchen den kampf gegen die tiere aus ganzem herzen vorblickend für beendet erklären. die, die unserer erklärung schon hier und heute folgen, sind die botschafter der neuen zeit. im moment zählt nicht die quantität an menschen, sondern ihre qualität. veränderungen beginnen in der geschichte immer nur mit denen, die die wahrheit eher als andere begreifen und sie auch ergreifen. und wie sagte g.c. lichtenberg so treffend: »es ist unmöglich, die fackel der wahrheit durch ein gemenge zu tragen, ohne dabei jemandem den bart zu sengen«.

die nichtvegane welt greift massiv und tötend das leben auf der welt an: sie vernichtet milliarden tierleben, ohne dabei auch nur mit den wimpern zu zucken. darunter leiden tiere erbärmlich und gleichzeitig opfert man immer mehr regenwald, alle zwei sekunden wird für futtermittel eine fläche in der größe eines fußballfeldes verbrannt und auch dabei werden tiere verbrannt, arten ausgerottet und menschen vertrieben. dabei werden die böden nach dem brutalen einsatz von chemie und gentechnik immer mehr zu wüsten. diese gier zerstört kostbare lebensgrundlagen und doch beweist sie nur, dass sie keinen bestand haben wird. denn gier befriedigt sich immer nur kurzfristig. die nichtvegane welt verbraucht gigantische mengen wasser, sie enthält den hungernden menschen nahrung vor, sie schämt sich nicht einmal davor, dass alleine vierzigtausend kinder auch deshalb an hunger sterben müssen, weil die gier noch ihre perversen pseudoerfolge feiert. oder schämt sie sich bereits? ich denke, dass sie damit beginnt, sich zu schämen. und wir stehen hier, um euch zu sagen: schämt euch mit recht, denn das, was geschieht zerstört unseren planeten, es quält leben und vernichtet grundlagen zum überleben.

politiker, rundfunkräte, manager, banker – ihnen allen dämmert längst die wahrheit auf und hinter vorgehaltener hand hört man einige von ihnen schon zugeben: nur eine vegane welt kann diesen irrsinn beenden oder besser gesagt, die beendigung des kampfes gegen die tierwelt ist das beste, das eine welt tun kann, um frieden zu begründen, der mehr ist als nur eine abwesenheit von krieg gegen menschen. wir erklären schon jetzt, hier auf dem münchener marienplatz den krieg gegen die tierwelt für beendet und rufen alle umutigen, nichtwissenden oder sich nur immer an der mehrheit orientierenden mitmenschen dazu auf, trotz ihrer angst schon heute frieden mit den tieren zu schließen. nur ein gedanke daran genügt schon, um die idee hierzu weiter zu stärken. denn ideen reichen weiter als kanonen und alle künstliche macht der welt.

der begründer des oktoberfestes, könig ludwig der erste, hatte ein motto, das auch unser motto ist. es heißt: »beharrlichkeit und gerechtigkeit«. genau dafür stehen wir hier. das motto könig ludwigs, des oktoberfest-begründers, ist heute das motto des veganen oktoberfestes. denn die hunderttausenden tiere, die für das ausgeartete oktoberfest sterben müssen zollen jeder gerechtigkeit hohn. gerechtigkeit ist das nicht, sondern allein angesichts eines einzelnen leiden tieres, hungernden kindes und eines einzigen für futtermittel brennenden stücks regenwaldes tatsächliches unrecht. die nichtvegane welt folgt nachweislich keineswegs dem motto ludwigs, die veganer dagegen beharren auf gerechtigkeit. das wahre bayern der kultur also steht heute der veganen idee weit näher, als das gedankenlose exerzieren von gier und gedankenlosigkeit.

sind wir, die wir heute hier auf dem marienplatz in münchen über gerechtigkeit reden denn »verrückt«? wir sind mit sicherheit verrückt in den augen jener nachfahren, die schon könig ludwig den zweiten für verrückt erklären wollten, die sein leben auf dem gewissen haben. die geschichte hat es revidiert, wir wissen heute, dass könig ludwig der zweite alles andere als verrückt war. wir wissen auch, dass er näher am motto des ersten ludwigs war, als seine häscher und als seine nachfahren. denn ludwig der zweite konnte das töten von tieren nicht ertragen, er ging auch nicht zur jagd. ich bin mir sicher, dass heute beide, könig ludwig der erste und könig ludwig der zweite sich besser bei uns repräsentiert fühlen würden als dort, wo man nur an sich selbst denkt, wo man den egoismus zelebriert, während die welt brennt.

und das heißt nicht, dass wir keinen spaß haben. ich glaube, dass die zeit für wahre lebensfreude in einer veganen welt so schön sein wird, wie wir sie in einer nichtveganen nie gesehen haben. wir müssen auch nicht jede tradition aufgeben, aber wir können die traditionen anpassen. eine lederhose kann ebenso aus alcantara sein statt aus rinds- oder aus hirschleder. keine wurst muss körperteile toter tiere enthalten, kein kuchen muss ei enthalten, für das küken bei lebendigem leib geschreddert werden. schon heute können wir alles ersetzen. wichtiger, als traditionen zu erhalten, ist es doch, die welt und ihre lebensgrundlagen zu erhalten. tatsächlich können wir aber sogar beides: wir können die traditonen behalten in einer veganen welt, in dem wir die traditionen selbstbewusst veganisieren. und durch die vegansierung können wir auch unsere lebensgrundlagen behalten. ohne sie kaum.

wenn ihnen diese eigentlich einfachen wahrheiten der bayerische ministerpräsident im augenblick noch vorenthält, wenn bild münchen und die abendzeitung keinen platz für diese wahrheiten haben, weil ihnen die fotos fescher wiesn-madels keinen platz dafür lassen und man niemandem den spaß verderben will, wenn die deutsche presseagentur wieder einmal dazu schweigt, dass zur eröffnung des oktoberfestes nun erstmals auch ein veganes oktoberfest stattfindet, so kann man zwar erklärungen dafür finden, aber das beweist nicht, dass an dem, was ich hier sage, etwas nicht stimmen würde. die schlechte nachricht am heutigen tage besteht darin, dass aufgrund der richtigkeit unserer anliegen gerade diejenigen, die es könnten uns nicht besser unterstützen. ja, ich sage es ganz offen: sie lassen uns im stich. heute kann man buchstäblich sagen: sie lassen uns im regen stehen.

doch die gute nachricht hier auf dem münchener marienplatz und überall ist die, dass das alles keine rolle spielt, dass es genügend menschen gibt, die offen sind, die frei sind, die ehrlich sind und die einsicht haben, menschen, die in ihrem herzen nach der verwirklichung des ludwig-mottos dürsten und gerechtigkeit wollen.

ein bisschen ist es so wie am ende der zeit der ddr. unsere republik will ich keineswegs mit dieser dikatur vergleichen, keine sorge. ich bin froh, in einem rechtsstaat zu leben. aber auch in diesem hat sich noch mehr gerechtigkeit durchzusetzen. was ich mit der untergehenden ddr vergleiche ist das untergehende landwirtschaftssystem, das weder mit land noch mit wirtschaft noch viel zu tun hat. massentierhaltung zerstört das land, subventionen des falschen zerstören die wirtschaft, der begiff landwirtschaft also spottet der wirklichkeit hohn.

ich erkläre frei heraus und ganz ohne häme heute hier auf diesem platz, dass dieses landwirtschaftssystem am ende ist. ich freue mich schon darauf, genau in einem jahr wieder darüber zu sprechen und könnte mir vorstellen, dass dann auch schon jene offener mit dem thema umgehen, die uns heute noch belächeln, die uns vielleicht heute noch wie ludwig den zweiten für verrückt erklären.

die rohstoffpreise steigen, auch die für futtermittel. schon heute verschwendet man zehn pflanzenproteine aus futter für ein tierprotein fleisch. genau das wird man nicht mehr finanzieren können, dem system bricht der boden unter den füßen zusammen. das aber ist das ende der nichtveganen welt. das verdiente, das notwendige ende.

aber wir reden hier vom anfang und kommen an den anfang unserer rede zurück: die vegane welt beginnt in den köpfen und herzen derer, die schon heute wissen, was notwendig ist. der anfang der veganen welt beginnt auch hier auf dem ersten veganen oktoberfest in der geschichte. unser anliegen ist gerechtigkeit und der schutz der lebensgrundlagen. es mag heute in strömen regnen. ich danke allen, die trotzdem gekommen sind, ich danke allen, die trotzdem zuhören und ich freue mich darauf, dass die tiere frei werden, die umwelt entlastet, die menschen satt werden und ob es regnet oder nicht. die veganisierung der welt wird garantiert nicht ins wasser fallen.

PDF download: oktoberfestrede 2012 von christian vagedes
schreiben sie mir ihre meinung:
christian.vagedes@vegane-gesellschaft.org
unterstützen sie uns bitte:
vegane gesellschaft deutschland e.v., konto 12 12 100 (blz 100 205 00), bank für sozialwirtschaft
werden sie jetzt fördermitglied
das buch zum thema und vom artikelverfasser: veg up. die veganisierung der welt

2012

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Liebe Betty, Du Amalia und Max gaben uns die Kraft für unsere Tierrechtsarbeit.
Die Lücke, die Du hinterlassen hast, wird sich nie wieder schließen lassen.
Wir werden Dich immer lieben.

Ein Ort der Besinnung!

"Ich weigere mich, Tiere zu essen, weil ich mich nicht von den Leiden und vom Tod anderer Lebewesen ernähren kann. Ich weigere mich, dies zu tun, weil ich selbst so schmerzlich gelitten habe, dass ich den Schmerz anderer fühle, indem ich mich meiner eigenen Leiden erinnere."
(Edgar Kupfer-Koberwitz - von 1940-1945 Häftling im KZ Dachau)

Sie wurden von Menschen dazu missbraucht zu kämpfen. Nun ist es an der Zeit, dass Menschen für sie kämpfen.  SCHLUSS MIT DEM RASSENWAHNSINN !!!
Sie wurden von Menschen dazu missbraucht zu kämpfen. Nun ist es an der Zeit, dass Menschen für sie kämpfen. SCHLUSS MIT DEM RASSENWAHNSINN !!!

Lest hier mehr zu dem Kinofilm Unter Menschen

Aufgewacht im Brühbad
Aufgewacht im Brühbad
Tiernahrung ohne Tiermord
Tiernahrung ohne Tiermord

 

  Themen bei "Entlemax Aktuell:

- Massentötung von Hunden und Katzen in japanischen Tierheimen

- Lebende Krabben aus dem Automaten.
- Pelzfarmen - Die grausame Wahrheit

- Das Brüllen der Rinder

 - Vom Schrecken der Treibjagd.

   Augenzeugen von "RespekTiere" berichten.

 

Im Thema:

- Milch trinken, Käse und Eier essen.
Ist man da noch Vegetarier?

- Jagdsabotage

 - Drei Haselnüsse für Aschenbrödel.

   Oder wie man märchenhaft einen Fuchs ermordet

 

Im Entlemax TV:

Erdlinge

(Earthlings in deutscher Sprache - Komplettversion)

 

Bitte beteiligt Euch an den aktuellen Petitionen

und Aktionen !